Das Märchen vom Fachkräftemangel, 25.3.2017

Wie oft habe ich es als Ingenieur erlebt, wenn Kollegen -Plural- von mir aus der Firma gemobbt wurden. Diese Fälle waren um so schlimmer, da sie schon vom Alter in die 50 waren, und die Suche nach einem neuen Job dadurch nahezu aussichtslos ist. Ebenso war mir die Unvermittelbarkeit von länger arbeitslosen und gleichzeitig älteren Akademikern immer ein Rätsel. Lange Zeit habe ich mir keine tieferen Gedanken nach den Hintergründen gemacht.  Auf jeden Fall ist es ein eklatanter Widerspruch, Fachkräfte zu suchen und gleichzeitig diese rauszuekeln, respektive gar nicht erst einzustellen, obwohl diese aufgrund ihres Alters einen enormen Erfahrungsschatz haben! Sicherlich kostet dieses geballte Wissen einiges. Aber die Industrie stellt lieber zwei junge Fachkräfte ein, die scheinbar vom Preis-Leistungsverhältnis besser sind als einen älterer Profi, der ungefähr die Lohnkosten der zwei jungen Angestellten verursacht, so meine Erfahrungen.

Allerdings kamen 2015 erste Verdachtsmomente mit der Scheinasylantenkrise bei mir auf. Es strömten etwa eine Millionen Asylanten nach Deutschland, und die Industrie feierte regelrecht diese neuen Fachkräfte und drängte folglich auf ein schnelle Arbeitserlaubnis. Zwar war bekannt, daß etwa 65% Analphabeten waren, und auch die Mittelstandsvereinigung prognostizierte nur eine Vermittelbarkeit von höchstens 10%, sprich 90% landen  in unseren Sozialsystemen, aber der Industrie interessieren diese düsteren Aussichten nicht. Stattdessen wies sie auf einen nicht erfüllbaren Mindestlohn bei Flüchtlingen hin, sprich dieser müsste noch deutlich gesenkt werden für diese Gruppe. Und an dieser Stelle läuteten bei mir die ersten Glocken. Es geht nicht um Fachkräfte, sondern super billige Arbeitskräfte, womit man den Hungerlohn von 8,60 Euro weit unterbieten, austricksen kann. Und als das renommierte Manager Magazin am 9.3.2017 über das Märchen vom Fachkräftemangel schrieb, gingen sogar bei mir die Sirenen an, mir war nun klar, wie der Kapitalismus so richtig die Sau raus läßt.

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/das-maerchen-vom-fachkraeftemangel-a-1136647.html

Kann er sich  seit 1989 schließlich leisten, ist doch damals das Schreckgespenst des Sozialismus verschwunden, das den Kapitalismus etwa 50 Jahre in Dauerschach hielt, der Sozialismus war untergegangen. Nein, der Kapitalismus hat nicht gesiegt, niemals, er ist nur übrig geblieben! Ein krankes und menschenverachtendes System kann auch kein Siegertyp sein!

In diesesm vorzüglich Bericht dementiert das Arbeitsamt einen flächendeckenden Fachkräftemangel. Interessant auch, wie lange vakante Stellen nicht besetzt werden, nämlich typisch vier Monate, sehr ungewöhnlich bei angeblichem Fachkräftemangel! Und warum die Industrie leierkastenartig die Mär vom Fachkräftemangel verbreitet, ist nun auch klar: Je mehr eine Branche fehlende Fachkräfte lamentiert, um so mehr Menschen lassen sich in diesem Beruf ausbilden, es strömen folglich um so mehr Arbeitskräfte auf den Markt, was den Lohn drückt, Stichwort Angebot und Nachfrage, einfaches und bekanntes Prinzip! Die Industrie weiß schon, wie man Lohnkosten senkt, denn acht Millionen Arbeitskräfte im Niedriglohnsektor, das sind etwa 25% der Berufstätigen, die nach 45 Jahren Arbeit mit knapp 600 € in Rente gehen werden, sind ein sehr überzeugendes und trauriges Beispiel. Statt Lohndumping zu betreiben, sollte die Industrie lieber ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Im Wettbewerb kann sie sich nur noch durch Betrug und Manipulationen halbwegs am Leben halten (nahezu komplette Automobilindustrie, Deutsche Bank). Vorher ist schon fast die ganze Elektronikbranche verschwunden bzw. insolvent aufgrund von Missmanagment: AEG, Telefunken, Grundig Saba,  Nordmende,  Loewe Opta, Metz.  Aber es passt sehr gut zu diesem untergehenden Deutschland, weshalb ich absichtlich die Fahne in blassesten Farben dargestellt habe.


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