Die Automobilmafia, 3.8.2017

                                                             Mafia

Ich hatte mir gestern die Pressekonferenz auf n-tv angeschaut zum Thema Dieselgipfel. Eigentlich müsste man von einem Satiregipfel sprechen, denn die Ergebnisse kann man nicht ansatzweise ernst nehmen. So soll ein Softwareupdate genügen zum Erreichen der vorgeschriebenen NOx Werte. Allerdings beweist VW seit etwa einem Jahr, daß die Ergebnisse um lächerliche 25% besser werden, man aber noch etwa um den Faktor vier über den Grenzwerten liegt. Von Hardwareveränderungen raten die Automobilhersteller ab mangels Erfolg und wegen sonstiger Probleme, was ich gerne glaube, denn wenn es eine Hardwarelösung geben würde, hätten die Hersteller diese bei der Produktion der Motoren berücksichtigt. So werden nach dem Softwareupdate Euro 6 Fahrzeuge die NOx Grenzwerte um den Faktor 4 übersteigen, Euro 5 Autos um den Fakor 3, es ist unglaublich!

http://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/stickoxid-belastung-durch-diesel-pkw-noch-hoeher

Unsere am Gipfel beteiligten Politiker zeigen sich natürlich  hochzufrieden mit dieser Minimallösung, sprechen von erfolgreichen Verhandlungen, auch wenn noch weitere Lösungen notwendig seien, zu denen es aber keinen Zeitplan gibt (und auch keine Lösungen wie schon gesagt)! Zwar spricht man von Ausschüssen, die diese nicht existierenden Lösungen diskutieren sollen, ein nettes Alibi, eine sinnfreie Aussage! So sind alle glücklich, der deutsche Dieselfahrer kann im Irrglauben leben, er hat irgendwann ein sauberes Auto. Ich möchte - da extrem passend, sorry - die vulgäre Sprache des ehemaligen Kommunikationschef von Donald Trump, Anthony Scaramucci, verwenden: Die Automobilbosse haben sich paar Stunden lang genüßlich die Schwänze von den Politikern lutschen lassen, denen hat es Spaß gemacht, und die ebenfalls glücklichen Autobosse sind mit lächerlichen Umrüstungskosten davon gekommen, obwohl die Grenzwerte weiterhin um ein Mehrfaches übertroffen werden. Beide Parteien sind also sehr zufrieden, denn die hoch korrupte Automobilindustrie wird mal wieder von der Politik wie schon seit vielen Jahren gedeckt, man hat heute eine gute Show abgeliefert, meinen Glückwunsch!

Die betroffenen Dieselbesitzer hat man regelrecht verarscht, denn diese werden Autos fahren, die nie die vorgeschriebenen Abgasnormen einhalten können, denen sogar in Großstädten Fahrverbote drohen könnten. Insbesondere sinkt der Wiederverkaufswert dieser Fahrzeuge beträchtlich, um einige Tausender, denn wer möchte schon so ein Auto kaufen? Wahrscheinlich sind diese Autos sogar unverkäuflich, bzw. man kann sie nur nach verramschen mit riesigen Verlusten!

Für die Umweltmaßnahmen in den betroffenen Großstädten wie Stuttgart wird ein Fond eingerichtet von 500 Millionen Euro, wovon der Staat die Hälfte tragen soll. Wieso, ist dieser der Verursacher? Also zahlt der Steuerzahler für den Riesenbetrug der Automobilmafia. Es gibt auch keine Zusicherungen und Garantien, daß die neue Software keine Schäden oder vorzeitigen Verschleiss an den Motoren verursacht. Wenn diese doch vorzeitig Probleme bekommen, dann haben die Besitzer halt Pech gehabt, ätsch, verarscht! 

Ich habe nichts anderes erwartet als Gipfelergebnis, stellt doch die deutsche Automobilindustrie eine Mafia ähnliche Organisation dar, siehe Kartellvorwürfe, wo Preise, Techniken und Zulieferer abgesprochen werden. Gerade letztere werden regelrecht geknebelt und erpresst von dieser Mafia, indem Preise diktiert werden, freier Wettbewerb ist nicht möglich. 13 Jahre habe ich in der Automobilindustrie gearbeitet, davon 12 Jahre bei Zulieferern. Wir mussten uns bei Audits anschauen, wie der Automobilhersteller uns vorrechnete, was das Teil in der Produktion kostet und folglich als Endpreis herauskommen muss. Nicht selten hat der Zulieferer dann mit Verlusten produziert, um überhaupt noch Aufträge zu bekommen, im Geschäft zu bleiben. Höhepunkt war 2003, als Daimler-Chrysler rückwirkend für drei Jahre insgesamt 15% Preisnachlass forderte, 5% für jedes Jahr, andernfalls gäbe es keine neuen Aufträge. VW und Opel fanden das so gut, daß sie sich anschlossen, VW ebenfalls mit 15% Forderung, Opel mit 20%. So musste unvergesslich mein oberster Chef Helmut Kostal mit einem Millionenscheck nach Stuttgart fahren, was in der Belegschaft lange für Diskussionen sorgte.

http://www.auto-motor-und-sport.de/news/preisdruck-fuer-zulieferer-725358.html

Entsprechend aggressiv ist der Umgangston, den die Automobilhersteller beim Umgang mit den Zulieferern anschlägt. Der Imperativ ist Standard, von einem MIteinander kann nicht gesprochen werden, und es werden sogar von der Automobilmafia Vorgaben gemacht, wie die Teams beim Zulieferer besetzt sein müssen. Selbst Arbeitszeiten werden durch die Mafiosis vorgegeben, also Samstags arbeiten, weil extreme Zeitpläne bei den Projekten diktiert werden. Selbstverständlich beugen sich die Zulieferer dem Druck, man möchte zukünftig bei Ausschreibungen und Aufträgen dabei sein. Entsprechend gereizt ist auch die Stimmung bei den geknechteten Zulieferern.

Betrachtet man diese mafiösen Umgangsformen, so hätte man die Dieselkrise und die Kartellvorwürfe als willkommenen Anlass nehmen sollen, mit dieser Mafia gnadenlos abzurechnen. Sprich teure Hardwareumrüstungen fordern, die zusätzlich die Abgaswerte verbessern, wenn auch wenn man die vorgegebenen Normen damit noch lange nicht erreicht. Dann dazu Milliardenstrafen für die Kartellvorwürfe, dieser Industriezweig müsste finanziell bluten für all diese Verbrechen!

Ich bin froh, seit 2011 mich nicht mehr mit diesen Verbrechern abgeben zu müssen, seitdem hat mein zweites Leben begonnen!  

                                                                        Vetternwirtschaft, 11.8.2017

Mein Beitrag wird natürlich die Frage aufwerfen, wieso schützen die Politiker die Automobilkonzerne auf Teufel komm raus? Bisher vertrat ich alleinig die Meinung, die Politiker müssen sich die Möglichkeit erhalten, nach ihrer Zeit in der Politik lukrative Jobs in der Automobilindustrie zu bekommen. Siehe etwa Matthias Wissmann, CDU. Früher Bundesminister für Forschung und Technologie, später für Verkehr. Heute Prädident des Verbandes der Automobilindustrie, also Autolobbyist. Generell kommt es häufiger vor, daß Regierungsmitglieder, es müssen noch nicht einmal Minister sein, Pressesprecher reicht aus, nach ihrer Politikkarriere hoch dotierte Jobs in der allgemeinen Industrie bekommen. Weitere Beispiele: Exministerpräsident Kurt Beck, Staatssekretärin Katherina Reiche, Exbundesgesundheitsminister Daniel Bahr, Exstaatsminister im Bundeskanzleramt Eckard von Klaeden, Exministerpräsidenten Stefan Mappus, Dieter Althaus, Lothar Spät und Roland Koch, Exaußenminister Joschka Fischer (der keinen Beruf erlernt hatte, was soll der lehren, Kampftechniken?), Exkanzler Gerhard Schröder..... Wem das noch nicht genügt, siehe

http://www.rp-online.de/politik/deutschland/diese-ex-politiker-wechselten-in-die-wirtschaft-bid-1.568535

Wohlgemerkt, wir reden hier nicht über einfache Sachbearbeitertätigkeiten in der Industrie, sondern Jobs im höchsten Management, Größenordnung Aufsichtsrat, Vorstand! Hier geht es um Gehälter, dagegen waren die Politikervergütungen relativ gesehen Hartz4 Sätze! Glauben Sie, sehr verehrte Leser, diese Damen und Herrn hätten einen Job in der Industrie bekommen, wenn sie diese bei Vergehen bekämpft hätten? Mitnichten, einfache Logik!!!!

Vor wenigen Tagen kam heraus, daß VW im Oktober 2015 eine Regierungserklärung (und weitere Veröffentlichungen) des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil zum VW Dieselskandal bearbeitet, weichgespült hatte, sprich VW hatte die Rede vorher korrigiert. Hier liegt wieder einmal übelste Vetternwirtschaft zwischen Politik und Industrie vor, was seinen Höhepunkt erreicht, daß Ministerpräsident Weil auch noch im hoch dotierten VW Aufsichtsrat sitzt. Die armselige Erklärung des Herrn Weil lautete, "Überprüfung auf faktische oder rechtliche Bedenken". Sorry Herr Weil, hierzu gibt es z.B genug Juristen, die solche Reden auf rechtliche Verfehlungen überprüfen, aber auch Ingenieure der Automobilindustrie, die technische Fakten checken können! Hier wird eine unglaubliche Vetternwirtschaft wieder einmal regelrecht demonstriert. Nun wissen wir, warum bisher die Automobilindustrie mit einem billigen Softwareupdate davongekommen ist, was aber die Schadstoffgrenzwerte bei Euro 6 und 5 Norm um den Faktor 3-4 übersteigt. Wer sich für die Detailänderungen durch VW interessiert, dem sei dieser Link sehr empfohlen:

http://www.manager-magazin.de/politik/deutschland/a-1161664.html

Fazit: Deutschland verkommt immer mehr zur Bananenrepublik. Der Rechtsstaat existiert schon lange nicht mehr, was man z.B. bei der Kuscheljustiz und ihren vielen skandalösen Bewährungsurteilen für Scheinasylanten sieht. Aber auch die  rasch wachsenden über 50 rechtsfreien No-go-areas in Deutschland, von Politikern verleugnet, werden nur noch verwaltet, nicht bekämpft, einzelne Polizisten trauen sich selbst zu zweit nicht mehr da hin, womit die Bevölkerung nicht mehr geschützt werden kann. Nennt man das Rechtsstaat? Aber auch das Verhältnis Politik-Industrie ist eine reine Vetternwirtschaft, wie wir an meinen zahlreichen Beispielen gesehen haben. Deutschland, wie tief bist du verkommen zu einer Bananenrepublik!


Bildquellennachweis: https://pixabay.com/en/oldtimer-mafia-citroen-1677923/


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